Kaiser-Wilhelm-II Turm

Der Kaiser-Wilhelm-II.-Turm auf der Sackpfeife ist das Wahrzeichen des OHGV Biedenkopf und seit 1913 eines der beliebtesten Ausflugsziele im Hessischen Hinterland. Seine Geschichte ist geprägt von ehrenamtlichem Engagement, umfangreichen Sanierungen und dem Einsatz vieler Menschen, die dieses Denkmal bis heute erhalten.
Die wichtigsten Informationen auf einen Blick
| Merkmal | Information |
|---|
| Baujahr | 1913 |
| Höhe | 22 m |
| Standort | Sackpfeife (674 m ü. NHN) |
| Eigentümer | OHGV Biedenkopf |
| Denkmalstatus | Kulturdenkmal |
| Letzte Sanierung | 2025–2026 |
Nach der Gründung des Zweigvereins entstand schon bald der Gedanke, den damals aus Holz bestehenden Vermessungsturm durch einen steinernen Aussichtsturm zu ersetzen.
Nach zahlreichen Genehmigungsverfahren und der Beschaffung der erforderlichen finanziellen Mittel konnte das Vorhaben schließlich verwirklicht werden. Maßgeblich vorangetrieben wurde das Projekt von Kreissekretär Karl Jäger (1865–1902), der ab 1902 Vereinsvorsitzender war. Erst nach zweimaliger Beratung im Preußischen Abgeordnetenhaus wurde die Genehmigung zum Bau eines 22 Meter hohen Steinturms erteilt. Die Einweihung erfolgte am 21. August 1913 im Rahmen des 25-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Wilhelm II. Im Zusammenhang mit der Errichtung des Turmes wurde der Verein in das Vereinsregister eingetragen. Im Jahr 1953 wurde der durch die Witterung stark beanspruchte Turm im oberen Viertel erstmals von außen verputzt. Zum 75-jährigen Bestehen des Aussichtsturms im Jahr 1988 war eine umfangreiche Sanierung des Mauerwerks erforderlich.

1999 wurde beschlossen, die Zinnen des Turmes mit Kupferblech abzudecken, um das Mauerwerk dauerhaft vor eindringendem Wasser zu schützen. Nachdem das Hessische Landesamt für Denkmalpflege den Antrag zunächst ablehnte und die Haushaltsmittel bereits verplant waren, wurde der Antrag an die Untere Denkmalschutzbehörde weitergeleitet. Im darauffolgenden Jahr konnte die Maßnahme schließlich umgesetzt und die Zinnen mit Kupfer verkleidet werden.
Am 6. Mai 2000 fand eine Begehung statt, bei der die anstehenden Arbeiten zur Sanierung des Außenputzes besprochen wurden. Die Vorarbeiten hatten bereits begonnen, und wenige Tage später sollte der neue Putz aufgetragen werden. Im Zuge der Arbeiten empfahl die ausführende Firma, den Turm anschließend mit einer speziellen Silikatfarbe zu streichen, um das erneute Eindringen von Feuchtigkeit in das Mauerwerk zu verhindern. Im selben Jahr wurden außerdem die Außentreppe und das Geländer erneuert. Durch Setzungen hatten sich Risse gebildet, durch die Wasser in das Mauerwerk eindringen konnte.
Im Jahr 2001 stellte der Verein einen Antrag auf finanzielle Unterstützung zur Instandsetzung und Unterhaltung des Kaiser-Wilhelm-II.-Turms. Dieser wurde am 9. Januar 2002 von der Stadt zunächst abgelehnt, da sie den Verein bereits 1989 mit 14.000 DM unterstützt hatte. Als Begründung hieß es: „Durch den immer enger werdenden finanziellen Spielraum mussten wir sowohl städtische als auch freiwillige Leistungen auf ein Mindestmaß reduzieren.“
Der damalige Erste Vorsitzende, Herr Fischer, machte in einem weiteren Schreiben die Dringlichkeit der notwendigen Sanierungsarbeiten deutlich. Daraufhin wurde der Antrag erneut für den Haushaltsplan 2003 eingebracht. Bürgermeister Bolldorf schrieb dem Verein: „Wir hoffen dabei, dass im Sinne Ihres Vereins entschieden wird.“ Im Jahr 2002 erfolgte gemeinsam mit einem Ingenieur eine bauliche Untersuchung des Turmes. Dabei wurden verschiedene Mängel im Innenbereich festgestellt. Für eine detaillierte Begutachtung wurde ein entsprechender Kostenvoranschlag erstellt. Aus Sicherheitsgründen musste der Turm daraufhin bis auf Weiteres für Besucher gesperrt werden. Während dieser Zeit richtete ein Bürger der Stadt Biedenkopf ein Beschwerdeschreiben an das Forstamt. Darin bemängelte der pensionierte Richter nicht nur die Sperrung des Turmes, sondern forderte außerdem das Fällen beziehungsweise Einkürzen von Bäumen, um die Aussicht zu verbessern. Das Beschwerdeschreiben wurde über die in Biedenkopf tätige Stadtentwicklungsgesellschaft „STEG“ an den OHGV weitergeleitet. Der Verein antwortete darauf und erklärte, dass die Sperrung ausschließlich aus baulichen Sicherheitsgründen erfolgt sei und man alles daran setze, den Turm möglichst bald wieder für Besucher öffnen zu können.
Am 9. Januar 2003 erhielt der Verein schließlich die erfreuliche Nachricht, dass im Haushaltsplan Mittel für die Sanierung bereitgestellt worden waren. Die Stadt Biedenkopf beteiligte sich mit rund 5.200 Euro an den Baukosten.
Im selben Jahr verstarb Prof. Michael Neumann, Oberkonservator am Hessischen Landesamt für Denkmalpflege, im Alter von nur 55 Jahren. Er hatte sich über viele Jahre hinweg für den Erhalt des Turmes auf der Sackpfeife eingesetzt.
Im Jahr 2005 erhielt der Turm ein schützendes Dach.
2006 wurde der Bereich unterhalb des Daches vollständig verglast.
Mit Abschluss der Arbeiten im Jahr 2007 waren die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen beendet. Seitdem stehen die sogenannten „Gucker“ trocken und sind dauerhaft vor Witterungseinflüssen geschützt.
2011 begann die Erneuerung des Treppengeländers im Turminneren. Der Verein teilte damals mit, dass die Wiedereröffnung für den 1. Mai 2012 geplant sei.
Am 9. Juni 2013 feierte der OHGV Biedenkopf das 100-jährige Bestehen des Kaiser-Wilhelm-II.-Turms.
Im Jahr 2017 mussten Bereiche rund um den Turm abgesperrt werden, da sich erneut Putz von der Fassade löste und herabzufallen drohte. In einem Gutachten wurde festgestellt, das der in 1988 aufgebrachte Außenputz und die darüberliegende Farbschicht für ein solches Gebäude nur bedingt geeignet gewesen waren.

Eine nochmalige kleine Reparatur der abgeplatzten Putzstellen war jedoch nicht von langer Haltbarkeit. Um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten, musste der Turm im Jahr 2024 weiträumig abgesperrt werden, damit niemand durch herabfallende Putzteile gefährdet wurde.
Im Jahr 2025 wurde daher, mit Unterstützung von Oberer und Unterer Denkmalschutzbehörde eine umfassende Sanierung geplant.
Die Sanierungsarbeiten wurden durch verschiedene Fördermittelgeber (Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Denkmalschutzprogramm des Bundes, Deutsche Stiftung Denkmalschutz und Stadt Biedenkopf) sowie private Spender unterstützt. Die Sanierungskosten beliefen sich auf ca. 630.000 Euro.
Nach einer knapp einjährigen Bauzeit konnte der Kaiser-Wilhelm-II.-Turm am 30. Mai 2026 im Rahmen einer Einweihungsfeier feierlich wiedereröffnet werden. Seitdem ist das Wahrzeichen des OHGV Biedenkopf wieder für Besucher zugänglich und bietet seinen Gästen erneut den beeindruckenden Ausblick über das Hinterland.
Der Erhalt unseres Turmes

Der Kaiser-Wilhelm-II.-Turm ist das Wahrzeichen unseres Vereins und seit mehr als 100 Jahren ein beliebtes Ausflugsziel auf der Sackpfeife. Sein Erhalt ist jedoch mit erheblichen finanziellen Aufwendungen verbunden, die der Verein größtenteils aus eigenen Mitteln tragen muss.
Aus diesem Grund freuen wir uns über jede Spende, die zum Erhalt unseres Turmes beiträgt. Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie dabei, dieses bedeutende Bauwerk auch für kommende Generationen zu bewahren und Wanderern weiterhin den einzigartigen Ausblick über das Hinterland zu ermöglichen.
„Wussten Sie schon?“
- Die Steine für den Turm wurden mit Pferde- und Ochsengespannen auf die Sackpfeife gebracht.
- Der Turm steht auf der Wasserscheide zwischen Lahn und Eder.
- Von der Plattform reicht der Blick bei guter Sicht bis zum Feldberg im Taunus.
- Der Turm wird seit über 100 Jahren ehrenamtlich vom OHGV Biedenkopf erhalten.
Quellen
- Vereinsarchiv des OHGV Biedenkopf
- Sitzungsprotokolle
- Hinterländer Anzeiger
- Stadtarchiv Biedenkopf
- Festschriften des OHGV
- private Fotosammlung


